Das grauenvolle Tagebuch des Grauens

Shadowhead

Freibeuter
Themenstarter
Registriert
19 Mai 2021
Beiträge
2.331
Erhaltene Likes
12.763
Nachdem Norsia sich schweren Herzens, aber fünf Silbermünzen reicher, von PJ getrennt hatte, machte dieser sich frisch, um dann nach unten zu gehen und im Schankraum zu frühstücken.
Beim anschließenden Verdauungsspaziergang entdeckte er einen Stand mit Früchten, wobei ihm eine grünliche Frucht mit durchsichtiger Haut auffiel, weshalb er den Händler fragte, wie die Bezeichnung für diese merkwürdige Frucht lautete.
»Das ist eine Sorte der Kristallfrucht, mein Herr.«
PJ erfuhr, dass es drei Sorten dieser Frucht gab, wobei es sich bei der grünen um die seltensten, aber auch die süßesten handelte.
Der Deutsche kaufte eine, die immerhin eine Kupfermünze kostete, was recht teuer für hiesige Verhältnisse war, bereute es aber nicht, denn die Frucht von der Größe einer kleinen Honigmelone schmeckte wie eine Mischung aus Pfirsich und Erdbeere.
Bestens gelaunt setzte PJ seinen Spaziergang fort, bis er in der Nähe einer schmalen Gasse aus eben dieser Geräusche der Trauer vernahm und neugierig in das Halbdunkel trat, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Schnell gewöhnten sich seine Augen an das schummrige Licht, da nahm er bereits eine auf dem Boden liegende Gestalt wahr und näherte sich ihr behutsam, um sie nicht zu erschrecken.
 
Kommentieren

Shadowhead

Freibeuter
Themenstarter
Registriert
19 Mai 2021
Beiträge
2.331
Erhaltene Likes
12.763
»Hab keine Angst, ich will dir nur helfen«, sagte PJ fast flüsternd und ging in die Knie, als er das traurige Häuflein erreichte.
»Bist du verletzt?«, fragte er leise und streckte vorsichtig die Hände aus, um das bemitleidenswerte Bündel aufzuheben, doch er bekam keine Antwort.
Stattdessen verstummte jedes Geräusch, als seine Finger es berührten und kurz stockten, als er keine Haut oder Kleidung fühlte, sondern weiches Fell, welches zum Teil von etwas Feuchtem verklebt war.
Seine Hände umfassten es sanft, hob es hoch, während er sich aufrichtete, und sah plötzlich zwei goldfarbene Punkte, welche ihn wie kleine Scheinwerfer anleuchteten.
PJ trat den Rückweg an, um im Licht der Sonne zu erkennen, was er wie ein Baby schützend vor seiner Brust hielt.
Mit seinen kleinen spitzen Ohren und dem schwarzen kurzhaarigen Fell stufte PJ es sofort als eine Katze oder etwas Artverwandtes ein, und als es ihn mit seinem kleinen Gesicht ansah, schien der Blick der goldenen Augen ihn förmlich zu durchbohren, bis er PJs Herz erreichte.
Nun schlossen sich die Augen und das kleine Wesen kuschelte sich in die Armbeuge seines Retters.
 
Kommentieren

Shadowhead

Freibeuter
Themenstarter
Registriert
19 Mai 2021
Beiträge
2.331
Erhaltene Likes
12.763
PJ registrierte verwundert die fragenden bis entsetzten Blicke der Passanten, die ihn und sein blutbesudeltes Bündel beobachteten, wobei sich einige beim Vorbeieilen laut fragten, warum noch niemand die Stadtwache gerufen hatte.
Unter diesen Umständen trat PJ die Flucht nach vorne an und eilte raschen Schrittes zurück zum Gasthaus, um sich dort in Ruhe um das Tier kümmern zu können.
Dort angekommen fragte er nach einer Schüssel warmes Wasser und ein paar sauberen Reinigungstüchern, doch der Wirt untersagte ihm das Tier mit auf das Zimmer zu nehmen, da er befürchtete, es wäre mit Ungeziefer verseucht und eh bald tot.
Langsam kochte die Wut im Deutschen hoch, also griff er zum letzten Mittel und bot dem Wirt drei Silbermünzen, doch der wurde gierig und verlangte fünf.
Kaum im Zimmer angelangt, wollte PJ das Tier ablegen und stellte verwundert fest, dass nicht nur jede Spur von Blut verschwunden war, auch das Fell hatte sich in Luft aufgelöst und war einer schwarzen Haut und blutroter Kopfbehaarung gewichen.
Hatten seine Augen ihm einen Streich gespielt, fragte er sich, legte das kleine Kind auf das Bett und deckte es zu.
Da hämmerte eine Faust gegen die Tür und ein Stadtwächter forderte, man möge die Tür öffnen.
 
Kommentieren
Oben