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xNecromindx

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Nö, ich vergleich Kakao mit Kakao.
Da es meine Lieblinkssorten Knoblauch-Nuss und Penis Panna Cotta leider nicht gibt, war mir dessen Vergleich unmöglich.

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Sind sie nicht. Die Eigenmarken werden von diversen Herstellern produziert. Auch wenn Ketten dort als Hersteller im rechtlichen Sinne auftreten, sind sie am Ende genau betrachtet nur Händler, die das Produkt nach gesetzten Vorgaben bei Herstellern einkaufen. Im Grunde ändert sich gegenüber Handelsmarken wie Milka nichts. Nur, dass ein Aldi bei Milka wenig mitreden kann, bei seinen Eigenmarken aber schon.

Am Ende auch alles Wurscht, es geht darum, dass Mondelez - die Firma hinter dem Markennamen Milka - ein Vorspielen falscher Tatsachen betreibt, indem sie behaupten, der Kakaopreis sei Schuld an den hohen Tafelpreisen.
In der "Eigenmarke" steckt 2,57 mal mehr Kakao. Demnach müsste diese Schokolade auch 2,57 mal mehr von dieser Preiserhöhung betroffen sein.
Das das mathematisch am Ende nicht aufgeht, haben vor mir Mondelez schon andere vorgerechnet. In Folge dessen haben sie ihre Argumentation geschwenkt auf: Es länge an den langfristigen Verträgen, um die Qualität und Verfügbarkeit zu gewährleisten. Einfach, um die Rohstoffkosten etwas zu verschleiern, um sagen zu können, man könne A ja nicht mit B vergleichen.
Nur ist auch diese Argumentation Unsinn, da jeder BWL Abbrecher wissen sollte, dass man keine Langfristlieferverträger zu einem Zeitpunkt mit Preispeak machen sollte, sonder eher zu kürzeren Lieferverträgen greift. Zumal auch das mathematisch überhaupt nicht aufgeht.

Es ist und bleibt Betrug. Eine Tafel Milka hat nicht nur weniger Inhalt, sie besteht zu rund 70% auch aus etwas anderem als Kakao. Besonders diese Bestandteile, darunter viel Zucker, sind spottbillig. Mit gestiegenem Kakao-Preis nun argumentieren zu wollen, es rechtfertigt grob eine Verdopplung des Tafelpreises würde ja bedeuten, dass sich der Kakao um sagenhafte 300% verteuert hat. Denn, und deswegen habe ich den Vergleich gezogen, wenn dem so wäre, müsste die Tafel aus dem Bild rund 5 Euro kosten, ansonsten würden sie daran mehr als 3 Euro Verlust machen.
Es hat also offensichtlich nichts mit "ich wünsche mir diesen Preis" zu tun. Es geht darum, dass sich 3 Euro Verlust an einem Produkt niemand leisten kann. Mit jeder verkauften Tafel wird da nur die Summe auf dem Insolvenzantrag höher. Es lässt sich durch Margenverlust, wie unterstellt, also überhaupt nicht abbilden. Mathematisch unplausibel.
 
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Master_3

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Moment, ich glaube hier reden wir an einander vorbei:

1. Ja unterschiedliche Hersteller liefern unter den "Discounter Marken" Unterschiedliche Ware z.B. an die Schwarzgruppe.
2. Dennoch produziert die Schwarzgruppe mittlerweile einen nicht unerheblichen Teil des Sortiments selber, ob nun Kaffee, Eis, Schokolade oder div. Getränke, weil denen die Werke nunmal mitlerweile gehören.

Und da haste die extra Hand dazwischen nicht mehr.
Doof gesagt: Du versuchst dem Einzelhändler ein ähnliches/gleichwertiges Produkt zu verkaufen, welches er bereits im Sortiment hat und auch noch selber herstellt. Den Kampf verlierst du auf Zeit immer.
Und dann sei noch in Frage gestellt, ob die Schwarzgruppe ebenfalls so fair zu deren Lieferanten und Mitarbeitern ist wie die anderen Firmen (nicht nur auf Mondelez vs Solent bezogen) - auch da habe ich bisher sehr gemischtes gehört.
 
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xNecromindx

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Die Schwarzgruppe hat z.B. den Nudelhersteller Erfurter Teigwaren aufgekauft, ja. Der Laden heißt aber noch immer so, auch wenn er gekauft wurde. Operiert auch eigenständig. Die Schwarzgruppe bestimmt halt nur jetzt in dem Laden.
Solche Vertikalintegrationen überwacht aber das Kartellamt genau. Die Zustimmung dafür wurde letztlich auch nur erteilt, weil genug andere Quellen für die Mitbewerber existieren.
Nun ist es aber nicht so, dass ein Zukauf-Betrieb Margenlos funktioniert. Was im EBITDA am Ende als Gewinn steht, der ja durch die Marge erwirtschaftet wird, stellt am Ende (in dieser Branche) nicht nur relativ kleine Summer dar, sondern dient ja auch langfristigen Strategien. Ein Betrieb braucht Gewinne, um z.B. Maschinen zu modernisieren oder defekte zu ersetzen. Die Schwarzgruppe kann da also genau betrachtet nicht so gut von profitieren, wie es oberflächlich den Eindruck macht. Denn würden sie nach Heuschrecken-Manier Betriebe ausweiden, wären die recht schnell platt - was hier für die ein Problem wäre. Diese Aufkauf-Strategie, um dem Wettbewerb Quellen vorzuenthalten oder da Dinge in sein eigenes Konzept zu integrieren, hat insbesondere in der Tech-Szene ja jahrelange Übung. Läden wie Microsoft, Apple, Meta, Google oder Adobe sind da gängige bekannte Beispiele.

Speziell in der Lebensmittelbranche gibt es in Deutschland aber eine Reihe von Gesetzen, die teilweise recht neu und teilweise auch schon älter sind, die genau darauf abzielen diese Marktmacht einzudämmen.
Beispielsweise diesem Spielchen der kurzfristigen Stornierungen, wurde relativ schnell ein Riegel vorgeschoben.
Und auch wenn die Schwarzgruppe im Mehrheitsbesitz so eines Werks ist, können die nicht einfach unter Eigenkosten kalkulieren. Dann rasselt der Laden nämlich in die Insolvenz. Die lassen das ja bewusst als eigenständiges Unternehmen laufen, damit es der Gruppe nicht auf die Füße fallen kann. Heißt aber auch, dass deren Möglichkeiten zur Quersubvention im Gruppenverbund begrenzt sind. Denn sonst stellt das Finanzamt ganz schnell kreative Fragen...

Der Wettbewerb verschärft sich, ja. Da stehen aber maximal die Kleinen mit runtergelassener Hose. Große Läden wie Nestle, Mars, Coca-Cola, Oetker, usw. lassen bekanntermaßen diese Friss oder Stirb Spielchen nicht so einfach mit sich machen. Ist ja nicht das erste mal, dass plötzlich mal Produkte der genannten hier oder dort aus dem Sortiment fliegen. Irgendwann tauchen sie dann aber auch wieder auf. Am Ende kochen die alle nur mit Wasser.
 
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collo

Oldie aus dem Ruhrpott
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Master_3

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Natürlich geht das nicht auf Null Marge.

Die Frage ist halt: Wird unter der neuen Leitung z.B. in das Wohl der Lieferanten genauso ein Teil der Marge gesteckt wie vorher, du kannst halt Zutaten auch unter unfairen Bedingungen herstellen lassen oder Zutat A durch B (z.B. Statt Fett-Alternativen wieder Palmöl) ersetzen und schaffst dadurch eine höhere Marge.

Und das ist das worauf ich eigentlich hinaus wollte, nur weil in der Discounter Marke z.B. mehr Kakao drin ist, heißt das noch lange nicht, dass dieser überhaupt den selben Marktwert hat. Und nur weil deren Kakao nicht teurer geworden ist, heißt das nicht, dass z.B. Milkas Lieferanten bessere Konditionen erhalten und dadurch teurer sind - der Weg bis zur Schokolade im Regal ist lang!
 
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xNecromindx

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Dazu braucht es eine neue Leitung? Das wäre mir neu...

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Ich will da jetzt nicht so tief in das Kakao-Geschäft einsteigen (Terminmarkt usw.), aber nein, da irrst du gewaltig.
Um das grob zusammenzufassen:

1) Für Kakao gibt es - ja, wen wundert es - eine Norm: ISO 2451
Nach dieser Norm passiert die Bewertung der Kakao-Bohnen, wenn sie hier mit dem Schiff im Hafen stehen.
Dort kommt es zur Eingliederung: Grade 1, Grade 2 und Sub-Standard. Nur Grade 1 und Grade 2 eigenen sich überhaupt für die Schokoladenherstellung.
Grade 1 und Grade 2 unterscheidet nicht viel: <3% / <=4% Schimmel und <3% Schiefergraue Bohnen gegenüber 8% schiefergraue Bohnen.

2) Weltmarkt für Kakao zu 90% "Konsumerware"
Bei "Konsumerware" passiert ein Blending von Kakao der beiden Kategorien Grade 1 und Grade 2. Das ist der Kakao, der bei Milka, Supermarkt-Eigenmarken usw. landet. Auch teure Marken wie Lindt machen das so bei Standard-Schokoladen.

3) Weltmakt der Kategorie "Edelkakao" kleiner 10%
Diesen Markt decken ganz spezielle und teure Schokoladenerzeugnisse ab, die z.B. in speziellen Schokoladensorten von Lindt landen. Aber auch Ritter hatte mal so Aktions-Sorten.
Diese Erfüllen in jedem Fall Grade 1 und hier wird dann im Regelfall auch die spezifische Schokoladen-Sorte angegeben. Es findet also im Regelfall kein Blending statt.
Bei diesem Markt sind Preise über Börsenniveau der Standard, weil von spezifischen Plantagen oder spezifischen Orten die nötigen Kakaobohnen gekauft werden. Das sind direkte Bezugskontrakte.

Wenn wir jetzt also von Standard-Schokolade sprechen, dann sprechen wir immer von einem Grade 1/2 Blend, was alle Sorten, hinsichtlich des Kakaos für die Schokoladenherstellung, untereinander sehrwohl vergleichbar macht.
Ob der eine Hersteller nun ein paar Prozentpunkte mehr Grade 1 oder 2 einsetzt, ist nach dem Blending in der Summe eine Frage von Promille und verfolgt einen anderen Zweck (siehe unten).
Die Annahme, dass sagen wir mal ein Modelez in seine Milka-Schokolade "besonders guten Kakao" reinkippt, ist völlig unzutreffend. Würden sie Edelkakao nutzen, würden sie sich das nicht nehmen lassen, das explizit so auch auszuweisen. Machen sie aber nicht. Also nutzen sie den gleichen Grade 1/2 Blend, den auch die Netto-Eigenmarke nutzt.
Zudem nutzen alle Massenwaren-Schokoladen nahezu ausschließlich Westafrika-Kakao der Sorte Forastero. Ein Kakao, der quasi nur für Schokolade taugt. Er ist zwar robust und deswegen auch sehr günstig, aber er schmeckt auch größtenteils flach, bietet aber insbesondere den gewohnten Schokoladengeschmack. Man kann also nicht einmal argumentieren, dass gewisse Hersteller nun vorrangig gewisse "besondere/teurere" Bohnen-Sorten einsetzen. Nö, günstige Massenware wird genutzt - links wie rechts.
Auch das Argument, dass da nun die Kakao-Bauern am Ende bei dem einen Hersteller mehr und bei dem andern weniger was von haben, ist eine These die auf Datenlage nicht wirklich belegbar ist. Die Marktgestaltung verhindert, dass da irgendwer nun besonders profitiert. Dieses Handelsgut beziehen alle zu mehr oder weniger gleichen Preisen. Entscheidend ist wann sie das kaufen. Natürlich gibt es Hersteller, wie erwähnt beim Thema Edelkakao, die an speziellen Orten beziehen. Auch gibt es die Fair-Trade Modelle, die anders vergüten. Die zahlen über Börsenniveau, weil sie genau "die" Bohne wollen oder eben in das Fair-Trade System einzahlen. Das ist aber nicht der Kakao der in Standard-Schokolade landet. Der ist dafür viel zu teuer und vor allem auch noch Mengenmäßig stark begrenzt. Sagen wir mal, die wollten jetzt für die Milka nur die Bohnen aus Ecuador. Das würde interessant werden. Denn Ecuador deckt am Weltmarkt gerade einmal knapp 10% ab. Daraus jetzt eine Massenmarkt-Schokolade zu machen, hieße ja, das mehr als Ecuador im Jahr erntet, für diese Schokolade drauf geht. Funktioniert also gar nicht. Und immerhin ist Ecuador im Weltmarkt-Ranking Mengenmäßig auf Platz 2 - wir reden da also nicht von der kleinen Hinterhofplantage irgend eines Indios.

Warum macht man überhaupt Blending bei Schokolade? Diese Frage könnte man sich ja stellen...
Nun, oberflächlich naheliegend ist der Preis. Und der ist hier auch mit einer der großen Gründe. Ein anderer wichtiger Punkt ist aber Geschmack.
Je nach Ernte und genauem Herkunftsort kann der Geschmack durchaus variieren. Deswegen betreibt man auch Blending zur Geschmacksstandardtisierung. So stellen die jeweiligen Hersteller sicher, das ihre Schokolade "so" schmeckt.
Was also zunächst wie Panscherei und Preisreduktions-Strategie aussieht, ist am Ende eben auch eine Qualitätssicherungsstrategie.

Gibt es sonst noch Fragen zum Thema Schokolade? Sorry, mein Sohn hatte mal son Projekthema in der Schule und ich musste helfen :ROFLMAO:
 
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Master_3

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Nein, aber gerade in den Traditionsunternehmen ist man eigentlich ehr vorsichtig, dass man sich zumindest weitestgehend Richtung Fair Trade, (wirkliches) RSPO usw. hält um sich halt nicht PR-Technisch angreifbar zu machen.
Das sind die Marken die dann von ihrem Ruf leben.
Wenn du Firmen wie Nestle, Unilever, Ferrero und Konsorten belieferst ist das eine ganz anderer Schnack als wenn du z.B. für kleinere Hersteller Zutaten lieferst - das sind nicht nur Produktspezifikationen und deren Range, sondern auch Audit-Level die du erreichen musst. U.A. fordern diese Kunden weitere externe Audits wie z.B. Ethik Audits (Smeta) was z.b. die Schwarzgruppe nicht tut.
Auch diese Exklusivität hat ihren Preis der mit einberechnet wird und auch am Ende mit im Produktpreis landet.
Jetzt kannst du halt sagen klar, die Ferrero Kinder Schokobons haben die selbe Zutatenliste wie die Schokomäuse ausn Aldi - das heißt aber noch lange nicht das der Weg dahin die selben Kosten und Qualitäten trägt.
Das selbe kannste aus Collos Beitrag entnehmen:
"Besonders positiv fiel die Butter in der Kategorie „mikrobiologische Qualität" auf, was auf eine hohe Frische und Hygiene bei der Herstellung hinweist."
Sprich selbst die nicht so lohnenswerte Produktion (Die nach der Reinigung oft nicht als erstes gefahren wird) profitiert immernoch von Expertise, Investitionen usw der Meggle Produktion um ggf. einen Vorsprung vor den anderen Mitbewerbern zu haben.

Auch wenn es in der Schokogeschichte vielleicht kein Unterschied in dem Rohstoff findet, so hast du aber vielleicht in der Firma Mondelez Dinge wie, peniblere Auditierungen, Zertifikate, Betriebsrenten, bessere Work Life Balance und andere Sozialleistungen nicht nur bei Mondelez direkt sondern auch bei deren Zulieferern - auch das will bezahlt werden und ist nicht in den Lieferanten der Schwarz-Gruppe nicht immer Standard.

Ist genauso zu sagen es gibt nur x Typen Hühnereier: Bodenhaltung, Käfighaltung usw. und damit ist die Qualität die selbe....das sagt aber nichts darüber aus, wie das drumherum aussieht - wie oft wird der Bauer auditiert, wird der Bauer bei Verstößen ausgeschlossen oder bekommt er 2, 3, 4 Chancen, haben die Tiere andere Vorteile die zwar nicht in die Klassifizierung einfließen, aber die man vielleicht gut heißt?
 
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xNecromindx

Namhafter Pirat
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Nur mal, weil mir das just vorrige Tage vor die Flinte kam:
Du weißt, wer die Butter-Produkte der Eigenmarke "Milsani" bei Aldi herstellt? Meggle.
Ich ja schon, wenn die ihre Kühe zährtlich in den Stall reiten. Offenbar lässt sich die Kräuterbutter beim Aldi aber dennoch günstiger verticken...

Will sagen: Wie ein Hersteller einkauft, arbeitet oder agiert (ganz allgemein) hat in erster Linie damit zu tun, wer bei ihm was zu welchem Preis kauft.
Das ist die selbe leidige Diskussion die in der Alltagswelt immer mal gerne aufkommt: Das ist ja billiger China-Schrott! Dann sage ich aber regelmäßig: Schau mal, auch ein iPhone wird in China produziert. Reden wir da jetzt auch von Billig-Schrott? ... gut, Apple... Schrott, aber halt nicht billig.

Ob die Schwarzgruppe einen Laden also übernimmt oder mit der Pistole einen unverschämten Preis rauspresst, ändert erst einmal wenig.
Da jetzt aber zu sagen, dass Markenhersteller deswegen nur das Beste vom Besten an Rohmaterial einkaufen und ihre Mitarbeiter auf Händen tragen... ähm, nein. Kann man sich wünschen, aber entspricht doch nicht der Realität.

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Womit wir bei dem beliebten Thema Auditierung, Zertifizierung und Normierung wären...
Da könnte ich jetzt aus dem Nähkästchen plaudern, wenn wir das in der Kneipe machen, geht dem Wirt eher das Bier aus, als mir die Gesprächsthemen.
Nur soviel: Das ist, leider, zu einem ganz großen Teil Augenwischerei und der ganze Papierkrieg ein ziemlich erheblicher Kostenfaktor, für Null Mehrwert - außer als Papier zum vorzeigen. Das muss man einfach so klar definieren.
Wenn ein Unternehmen ohnehin ordentlich arbeitet, dann tritt das Kosten los und die Qualität bleibt die selbe - bezahlt werden muss die ganze Messe aber dennoch.
Arbeitete ein Unternehmen früher schlampig und fängt nun mit ISOs, Audits und Zertifizierungen an, dann wird die Halle gefegt wenn der Auditor sich anmeldet und ansonsten wird in dessen Abwesenheit das produzierte Papier zur sehr geduldigen Auslegungssache degradiert...
Das geht so weit, dass, wenn ein Audit ansteht, gewisse Mitarbeiter in den Zwangsurlaub geschickt werden, nur, damit die bei dem Audit nicht Querschießen. Frag mich nicht, woher ich das weiß...

Da ich, mehr jetzt aus Sicht der Elektro-Industrie, mehrere solcher ISO- und Zertifikatseinführungen umgesetzt habe, kann ich dir einfach nur mit auf den Weg geben: Das ist der größte Bullshit den ich je habe mitmachen müssen.
Das ist in befreundeten Betrieben auch nicht anders. Da gibt es Anekdoten, da kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Diese Audits und Normen dienen Unternehmen in erster Linie als Abwehrschilder. Was ist denn mit so Unternehmen wie Nestlé, Unilever oder Ferrero? Werden die etwa unkritisch gesehen? Überhaupt nicht! Alle genannten sind dafür bekannt Lieferanten auszunehmen, Umweldstandards zu schleifen und Profitmaximierung um jeden Preis zu betreiben. Die soll es jetzt jucken ob sich irgend ein Wurstpanscher im Schwarzwald dann darüber muckiert, dass er für die hat Gammelfleisch in die Därme pressen müssen!? Dann wird da das Papier hochgehalten, auf dem dokumentiert ist, dass doch alles gut war, die Unternehmenspolitik zitiert, in der steht, dass das so ja gar nicht geht und dann zuckt man die Schultern, schiebt die Schuld auf den Lieferanten, lässt ihn fallen und macht mit wem anders weiter.

Nehmen wir doch nur mal Ferrero:
Die sind der weltgrößte Abnehmer für Haselnüsse. Rund 70% davon beziehen sie aus der Türkei. Dort geht nicht erst seit gestern das "Gerücht" (in Anführungszeichen, weil es halt keines ist) um, dass dort Kinderarbeit in einem gewissen Umfang betrieben wird. Zudem betreiben sie Lohndumping, weil sie da ein Abnahmemonopol etabliert haben. Der Türkische Staat musste Ferrero an die Kette legen und ihnen Abnahmeobergrenzen auferlegen, damit Ferrero nicht den Markt dort kaputt macht.
Prima, dass die tolle Audits und ne gute Work-Life-Balance in der Hauptverwaltung haben. Die Kinder, die in den teils schwer zugänglichen Hanglagen der Türkei Nüsse ernten, freuen sich sehr, das zu hören.
Und da wollen wir die Themen Monokulturen und Pestizideinsatz jetzt noch gar nicht weiter diskutieren.

Zu glauben große Markenunternehmen sind besser als die kleine Klitsche von Nebenan, ist ein gewaltiger Trugschluss. Tatsache ist vielmehr, das gerade die großen - allein wegen ihrer Marktmacht - viel respektloser im Markt agieren. Denn sie können sich das erlauben. Denn was soll der Bauer in der Türkei denn Ferrero sagen? Fickt euch? Dann ist er seine Existenzgrundlage los.

Zu glauben, das solche großen Unternehmen fair und korrekt arbeiten, lässt es halt nicht wahr werden.
Wirklich beweisen lässt es sich nicht. Und warum? Weil diese Unternehmen stark mauern, was ihre Bezugsquellen, die damit verbundenen Konditionen und alles sonstige anbelangt. Unternehmensgeheimnis heißt es dann schnell. Wenn doch alles so einfach ist, dann hätten sie doch einen so effektiven Hebel das fürs Marketing auszuschlachten. Machen sie aber nicht. Und das hat Gründe.
 
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