Arbeitsvertrag: Einwilligung zu Fotos/Videos – eure Einschätzung?

Syrius007

Namhafter Pirat
Registriert
16 Mai 2021
Beiträge
79
Erhaltene Likes
108
Hallo zusammen,

ich würde gern eure Einschätzung zu einer Klausel in einem Arbeitsvertrag hören, bevor ich etwas abschicke.

Mir wurde ein Arbeitsvertrag angeboten, den ich grundsätzlich unterschreiben möchte. Es gibt jedoch eine zusätzliche Einwilligungserklärung, in der ich zustimmen soll, dass mein Name sowie Fotos und Videos von mir unter anderem auf der Unternehmenswebsite, in sozialen Netzwerken (Instagram, LinkedIn etc.), in Printprodukten und sogar in Podcasts verwendet werden dürfen.

Damit habe ich ehrlich gesagt ein ungutes Gefühl. Kein Problem hätte ich mit einer rein internen Nutzung (z.B. für Teams, interne Vorstellung, Intranet), damit Kolleg:innen wissen, mit wem sie arbeiten. Eine externe Nutzung zu Marketing- oder Öffentlichkeitszwecken möchte ich aber eigentlich nicht.

Ich habe deshalb eine sehr freundlich formulierte E-Mail vorbereitet, in der ich sage, dass ich den Vertrag sonst unterschreiben würde, aber bitte um Anpassung bzw. Einschränkung dieser Einwilligung auf interne Zwecke.

Jetzt meine Fragen an euch:
  • Findet ihr diese Klausel normal oder eher ungewöhnlich?
  • Ist es aus eurer Sicht vernünftig, das anzusprechen?
  • Wirkt so eine Nachfrage aus Arbeitgebersicht „schwierig" oder nachvollziehbar?
  • Würdet ihr die E-Mail so abschicken oder eher anders formulieren?
Hintergrund: Ich habe leider schon einmal die Erfahrung gemacht, dass mir nach einer Bitte um Vertragsänderung das Angebot komplett zurückgezogen wurde. Deshalb bin ich etwas vorsichtig und möchte nichts falsch machen.

Bitte, Anmelden oder Registrieren um den Inhalt zu sehen!

Meine E-Mail Vorlage:

Bitte, Anmelden oder Registrieren um den Inhalt zu sehen!


Danke euch fürs Lesen und für eure Meinungen!

VG
 

wrtlpfrmft

Namhafter Pirat
Registriert
8 Mai 2021
Beiträge
326
Erhaltene Likes
987
Ich sehe in der Klausel kein Problem. Auf der Webseite meiner Firma bin ich auch mit Foto ... ist schöner für Kunden mit denen man sonst nur telefoniert, so wissen sie zumindest wie man aussieht.
Es könnte höchstens aufgeführt sein das die Bilder etc. nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses wieder gelöscht werden müssen.
Bei uns wird das aber auch ohne Klausel gemacht ...

Ich verstehe nicht ganz Dein Problem. Wenn ich in einer Firma arbeite, dürfen das doch alle wissen ...
 
Kommentieren

xNecromindx

Namhafter Pirat
Registriert
6 Mai 2021
Beiträge
2.707
Erhaltene Likes
6.707
So eine Klausel wird heute tatsächlich immer gängiger. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich sie kritisch sehe.
Was jetzt erst einmal wie "nettes einholen der Erlaubnis" klingt, hat ja einen harten rechtlichen Hintergrund: Du hast die Bildrechte an dir selbst. Veröffentlicht das Unternehmen ein Bild von dir auf der Homepage, haben dich aber vorher nicht gefragt, können die sich da durchaus ne deftige Klage einfangen incl. Schadenersatzansprüchen (die dann zu belegen/begründen wären...).
Die Klausel dient also in erster Linie dazu, sich rechtlich aus der Affäre zu ziehen, wenn da undifferenziert z.B. plötzlich Bilder der Weihnachtsfeier auf der Homepage landen. Genau so z.B. passiert bei mir in der Firma und als ich das gesehen hatte, kreiste der Hammer.

Es ist halt die Frage ob man ein Problem damit hat. Oder eigentlich nicht einmal Problem, sondern ob man das einfach will.
Persönlich agiere ich im Netz nahezu niergendwo mit meiner realen Identität - Bild und Ton schon mal gar nicht. Weil ich Angst vor Groupies hab? Nein! Es geht um ein simples Prinzip: Jede Information, die ich einmal freigeben bzw. weggebe, kann ich nie mehr zurückholen. Alles was ich also über mich veröffentliche, muss ich als "public domain" ansehen. Also Sachen, über die mir jede Kontrolle entgleitet. Was am Ende soweit gehen kann, dass man per Bilderkennung gemarkert wird - so wie es z.B. Plattformen wie Facebook usw. machen. Wo ein hochgeladenes Bild mit anderen Personen dazu benutzt wird, Beziehungen zwischen Menschen zu tracken und auszuwerten. Nicht die erste Wochenendaffäre auf Malle, die auf einmal der komplette Bekanntenkreis kennt...

Jetzt ist natürlich die Frage, was genau ist der Job?
Nehmen wir 2 Extrembeispiel:

a) Du bist Walter an Fließband vier und schraubst seit 12 Jahren Zündkerzen in Motorblöcke.
Inwieweit musst du mit deinem Gesicht und zugehörigem Namen für das Unternehmen Modell stehen? Es gibt dazu doch gar keinen Beweggrund. Verspührt das Unternehmen jemanden am Fließband zu zeigen, dann sollen sie per KI ein Bild generieren oder den Average Joe da hin stellen und von dem nen Foto machen.

b) Du bist vertrieblicher Außendienstmitarbeiter und betreust Kunden im Postleitzahlenbereich von Null bis Drölfzig.
Hier stehst du als Gesicht für das Unternehmen grundsätzlich in der Kundschaft und es ist mit unter hilfreich, wenn Interessenten das Bild sehen können, von dem, den sie jetzt versuchen zu kontaktieren. Du bist der Ansprechpartner - du, mit deinem Gesicht und Namen dazu. Da kann man eben nicht den Average Joe hinstellen.
Nicht desto trotz habe ich aber auch schon in dem Bereich Platzhalter-Fotos auf Homepages gesehen...

Am Ende ist es DEINE Entscheidung. Wenn es dir nicht zusagt, dann ist das dein gutes Recht. Denn genau dafür gibt es den Datenschutz, den die besagte Klausel ja "umgehen" soll. Ob man da mitgeht, ist DEINE Entscheidung.

Deine Mail kann man so machen, ja. Ich hätte es anders formuliert, aber das ist irgendwo auch eine Geschmackssache.
Was ich aber als weit bessere Alternative vorschlagen würde: Das persönliche Gespräch. So ist man in der Lage das kommunikativ besser zu vermitteln. Beispielsweise indem man in das Gespräch einsteigt mit der schlichten Frage, wie das zu verstehen ist mit der Nutzung. Wie wird das derzeit praktisch gehandhabt im Unternehmen? Also mehr auf die "ich habe da noch Fragen" Schiene. Und dann lenkt man es über auf sein eigentliches Anliegen.
Auch hier natürlich: Am Ende musst du das selber wissen, wie du vorgehst.


Bitte, Anmelden oder Registrieren um den Inhalt zu sehen!

Ist das so?
Es darf jeder wissen, dass du Security-Mitarbeiter an der Pforte der Deutschen Bank bist?
Es darf jeder wissen, dass du seit Anfang Januar stolzer Mitarbeiter im Altherren-Bordell BernHART bist, Fachbereich Liebesschaukel und Andreaskreuz?

Auch wenn einem nicht gewahr ist, was und ob ggf. das Problem an einer Information ist, so besteht dennoch immer die Gefahr, dass sie einem auf die Füße fallen kann.
Also gilt der, das ist faktisch das Grundkonzept von Datenschutz: Grundsatz der Datenminimierung. Nur das nötigste, für den, der es unbedingt braucht. Generell. Das Prinzip des berechtigten Anliegens.
Das Menschen das angesichts von Instagram, Facebook und wie das nicht alles heißt, blauäugig-naiv im Alltag offensichtlich anders handhaben, heißt ja nun nicht, dass die es richtig machen.
Immerhin sind ja die Fälle bekannt, wo bei der Bewerbung mal im Netz nach Bildern gesucht wird...
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentieren

berscha

Namhafter Pirat
Registriert
17 Mai 2021
Beiträge
1.352
Erhaltene Likes
8.817
Vor ewiger Zeit wollte mein früherer Chef seine Leute auch auf seiner Website veröffentlichen; ich war der einzige, der sich weigerte, auch ich hatte meine Zweifel. Heutzutage würde ich dem (denke ich) wohl zustimmen, da eigentlich alle Firmen auf ihrer Internetpräsentation damit an den Start gehen. Für Kunden sieht es immer gut aus, wenn man da ein "echtes" Gesicht sieht. In der heutigen Zeit sehe ich da bei der Vielzahl der Social Medias keine Probs mehr.
"Die Verwendung für einen außerbetrieblichen Zweck ist ausgeschlossen und bedarf meiner gesonderten Einwilligung" sollte da als Sicherheit zur Wahrung deiner Privatsphäre für dich ausreichend sein.
Ich weiß nicht, wie alt du bist, wenn ich noch jünger wäre, würde ich da jedenfalls zustimmen, wenn die Firma einen seriösen Eindruck macht und für dich da sonst eigentlich alles passt. Das ist aber meine Meinung, DU mußt dich wohl damit fühlen, das kann dir leider keiner abnehmen.
 
Kommentieren

wrtlpfrmft

Namhafter Pirat
Registriert
8 Mai 2021
Beiträge
326
Erhaltene Likes
987
Bitte, Anmelden oder Registrieren um den Inhalt zu sehen!
hier hättest Du zwar Recht, aber ich glaube nicht das es diese Klausel bei diesen Beispielen überhaupt gibt.
Auch bei Beispiel a wird das nicht im Vertrag stehen, da es hier keinen Sinn macht. Es gibt aber Bereiche in denen es durchaus Sinn machen kann.
Von daher finde ich Deinen Kommentar etwas sehr überspitzt.
 
Kommentieren

Polly

lustiger Drache
Registriert
1 September 2021
Beiträge
476
Erhaltene Likes
1.468
Ich hätte damit ebenfalls ein Problem, würde dazu aber zunächst das Gespräch suchen.
 
Kommentieren

xNecromindx

Namhafter Pirat
Registriert
6 Mai 2021
Beiträge
2.707
Erhaltene Likes
6.707
Bitte, Anmelden oder Registrieren um den Inhalt zu sehen!

Natürlich ist es überspitzt formiliert, so wie es sich Satire generell zunutze macht.
Es soll zeigen, dass diese pauschale Haltung "ich habe doch nichts zu verbergen" bei genauerer Betrachtung ziemlich naiv ist.
Das ist wie die Diskussion über Sicherheitsbetrachtungen: "pahhh... ich fahre gern Auto! Das ist auch heute sowieso sehr sicher! 30 Jahre ist jetzt nix gewesen! ... Aber Flugzeug!? Hast es gestern nicht in den Nachrichten gesehen...?"
Dem gegenüber stehen jährliche Verkehrstote von rund 3000 an der Zahl. Das sind jeden Tag rund 8 Menschen.
Meanwhile in einem anderen Thread: Ich schmeiß meine Netzwerkswitches weg, weil die sind jetzt EOL und ich hab da von möglichen Sicherheitslücken gehört! Reale statistische Ereignisgröße: 0

Die allermeisten Menschen sind schlicht und einfach nicht in der Lage Gefahren realistisch einzuschätzen, komplexe Folgewirkungen zu durchdenken oder langfristige strategische Ausrichtungen zu vollziehen.
Stattdessen lebt man in den Tag, träumt vom nächsten Urlaub, was man am Wochenende so machen könnte, Einkaufen steht auch noch an und Heiraten und Haus wäre mal was "irgendwann". Das nennen sie dann Lebensplanung.

Deswegen bedient man sich argumentativer Übertreibung, um in dieses neblige Zerrbild ihrer "Realität", einen hellen Leuchtturm aufzustellen, der dieses Bild stört und damit ein bewusstes Nachdenken über seine Betrachtung der Welt überhaupt erst möglich macht.
Macht man das, bemerken die Leute die Konsistenzfehler in ihrer "Logik" und greifen zur Standard-Antwort: Jaaaa... da schon, aber das sind ja auch "Extrembeispiele". Richtig. Und was ist mit dem weiten und großen Feld der Grauschattierungen zwischen zwei Extremen? Jetzt sollte dann die Erkenntnis einsetzen, dass es da schon einer genauen Betrachtung bedarf und ein "ach, passt schon!" zu kurz gedacht ist, da eben die große Mehrheit zwischen den Extremen liegt.
 
Kommentieren

XO.

Möchte Gern Pirat
Crew
Registriert
9 Mai 2021
Beiträge
1.163
Erhaltene Likes
3.040
Bitte, Anmelden oder Registrieren um den Inhalt zu sehen!

Art. 7 DSGVO Bedingungen für die Einwilligung

1.Die betroffene Person hat das Recht, ihre Einwilligung jederzeit zu widerrufen.

Auch wenn diese Teil des Arbeitsvertrags ist. Der Arbeitgeber muss über dieses Recht informieren.

2.Durch den Widerruf der Einwilligung wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund der Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt.
3.Die betroffene Person wird vor Abgabe der Einwilligung hiervon in Kenntnis gesetzt.
4.Der Widerruf der Einwilligung muss so einfach wie die Erteilung der Einwilligung sein.

Art. 7 Abs. 3 Satz 4 DSGVO, dass durch den Widerruf der Einwilligung die Rechtmäßigkeit der aufgrund der Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt wird.

Bedeutet: Ein Widerruf wirkt nur für die Zukunft (ex nunc). Alle Datenverarbeitungen, die vor dem Zeitpunkt des Widerrufs stattgefunden haben, bleiben legal.
 
Kommentieren

tastebin

InventarNr. #290621
Crew
Registriert
29 Juni 2021
Beiträge
3.241
Erhaltene Likes
7.435
Jetzt sag mir bitte das du DAS nicht aus dem Gedächtnis hervorgezaubert hast. Hosenträger zu Weihnachten sind notiert. Boah, ich hab mich damit nie "familisiert" und das ist auch gut so.😂💪💪
 
Kommentieren

level9

Pirate of the 777-Seas
Crew
Registriert
12 Mai 2021
Beiträge
1.899
Erhaltene Likes
6.696
Meine Firma hat leider auch so einen übertriebenen Hang zur Außendarstellung.
Ständig irgendwelche Insta-Posts, Drohneflugfilmereiengedöhns und was nicht alles. Dem habe ich komplett entsagt.
Mein Konterfei hängt nicht an der Wand der Mitarbeiter, ich tauche bei keinem Video oder Socialmedia-Zeug auf. Das KOTZT mich an.
Warum soll ein Kunde, der mich anruft, wissen, wie ich aussehe? Ich weiß ja auch nicht wie der Kunde aussieht - und will ich auch gar nicht wissen.
Kann mich ohne das um seine Belange kümmern.

Habe vor 5 Jahren das Unternehmen gewechselt. Bei meiner alten Firma schalle ich immernoch vom AB wenn jemand außerhalb der Arbeitszeiten anruft.
Wer es nicht mitbekommen hat, wird denken, ich arbeite da immernoch.

Was sowas angeht, bin ich einfach total un-social. Ich hasse auch Sprachnachrichten.

Fragt mich jetzt auf der anderen Seite aber nicht, warum ich so gut mit Foren harmoniere... vermutlich weils hier nur Avatar-Bilder und Texte gibt.
Das passt für mich.
 
Kommentieren
Oben